หันหน้าไปยังดวงอาทิตย์และเงาจะตกหลังคุณ-

Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich

Freitag, 11. April 2014

Mein Leben als Rosenapfel


Vor und während meines Austauschjahres hatte ich sehr viele Erwartungen, die, wie ich später feststellen musste, unrealistisch waren. Von der Zeit, die ich hier verbringen würde, besonders im Zusammenhang mit der mir damals fremden Kultur und dem Zusammenleben mit meiner Gastfamilie und auch generell vom Königreich Thailand. Eine davon war, dass ich am Ende meiner Zeit hier wie eine Thai-Person wäre: Zu denken wie eine Thai, sich anzukleiden wie eine Thai, zu essen wie eine Thai und generell alles zu tun, was eine Thai tun würde. Angetrieben durch dieses Ziel, war ich entschlossen eine "perfekte Austauschschülerin zu sein. Vor allem als mir mein Thai-Name gegeben wurde: Mamiew, was so viel bedeutet wie Rosenapfel (eine Art von Frucht).
Man kann sich meine Frustration vorstellen, als ich dann schließlich nach einem halben Jahr der Interaktion mit den Menschen um mich herum, feststellen musste, dass eine Austauschschülerin in diesem Part der Erde, niemals einfach für mich werden würde. Es gab Zeiten, in denen ich schlicht zu sehr versuchte mich in die Gesellschaft einzupassen. Wie Thai-Personen versuchte ich meine wahren Gefühle für etwas oder jemanden zu verbergen. Ich versuchte immer meine Ruhe zu bewahren und zu lächeln. Auch mein Äußeres passte ich dem der typischen Thai-Mädchen an, weil ich sonst als Tomboy oder ähnliches abgestempelt würde. Aber mal abgesehen von meinen Anstrengungen mich Thai zu verhalten, wurde ich doch immer als "Farrang" behandelt. Selten wurde ich nicht angestarrt oder hörte das Wort "Farrang", wenn ich irgendwo die Straße lang lief, was mich wie ein Fisch im Aquarium fühlen ließ. Es ließ mich einfach immer mit dem Gedanken zurück, ich sei anders und auch fühlte ich mich einfach nicht mehr wohl in meiner eigenen Haut. Ich habe einen Thai-Namen und versuchte mich ihm anzupassen, doch ich denke nicht, dass es reicht um Mamiew das Thai-Mädchen zu werden.
Wahrscheinlich begab es sich auch aus diesem Grund, dass ich heranwuchs und realisierte was meine eigenen Prioritäten und persönliche Eigenschaften sind, zu denen ich nicht bereit bin, diese aufzugeben.
In dieser Zeit dachte ich daran, wieder zu meinem alten Ich zurück zugehen-Valeria, doch unglücklicherweise konnte/kann ich dies genauso wenig tun, da ich weiß, dass ich mich auf die ein oder andere Weise doch schon verändert habe. Und so stehe ich hier, zwischen dem Rosenapfel, der ich nicht sein möchte und einer Valeria, die meine Freunde noch in Erinnerung haben. Nun hänge ich zwischen diesen zwei Persönlichkeiten.
Natürlich muss dies nicht unbedingt als Schlechtes angesehen werden. In manchen Dingen konnte ich durch Mamiew Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten und mir die Augen öffnen, was mir in einer anderen Ecke der Welt wahrscheinlich so nicht widerfahren wäre. Aber auch Dinge, Dinge die nicht so gut waren, die dazugehören. Dennoch habe ich durch die Auseinandersetzung mit, was wir im Westen "Entwicklungsland" nennen, ein umfassenderes Verständnis und Würdigung von kultureller Vielfalt erhalten.
Meine Einsicht hier überzeugte mich davon, dass ich nach Thailand zurückkehren würde, jedoch unter anderen Umständen und nicht für die Selbe Situation, in der ich mich zur Zeit befinde. Ich würde zurückkehren um meine Gastfamilie zu besuchen, weil ich sie gewiss vermissen werde und Königreich Thailand als Ganzes. Ein anderer Grund wäre auch das Essen, welches mich hier meinen ganzen Aufenthalt über erfreute. Ich weiß, dass egal wohin ich gehen werde, ich niemals die selbe Erfahrung, die ich hier hatte, nochmals haben könnte, wie zum Beispiel in eine Thai-Schule zu gehen, an Orte zu reisen und mit den Menschen um mich herum zu agieren, so wie ich es hier tat. Ich werde das nie vergessen und ohne die Zeit, die ich hier verbracht habe, würde ich auch nicht so denken können. Außerdem hätte ich Thailand nie in seinen tief verankerten traditionellen und kulturellen Zügen kennen lernen können oder gelernt, wie ich ordnungsgemäß mit den Menschen zu kommunizieren habe, wie ich mich in einer Thai-Familie verhalten sollte oder mich Lehrern gegenüber respektvoll zeigen sollte. Auch hätte ich das System und die Gesellschaft nicht so genau wahrnehmen können oder all diese traditionellen feste und Familien-Feiern erleben können, denn all diese Dinge kann man nicht nur in einem Urlaub erfahren.
Auch wenn ich diese einzigartigen Einblicke gemacht habe, bin ich trotzdem sehr froh darüber endlich nach Hause zu kehren und dort Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.
Zurück in Deutschland würden Leuten eventuell fragen "Welchen Sinn siehst du darin, ein Auslandsjahr in Thailand verbracht zu haben?" und ich könnte nicht wahrheitsgemäß antworten, dass es dem Reisen, Essen oder dem Lernen einer neuen Sprache gewidmet sei (zumindest nicht hauptsächlich). Für mich persönlich liegt er in meiner persönlichen Entwicklung und darin zu realisieren/bekommen wer ich bin.
Ich hatte schwierige Zeiten hier, vielleicht die schwierigsten, die ich je hatte aber ich bin noch hier und stolz auf mich selbst, dass ich trotz dem Verlangen nach Hause zu kehren widerstanden habe, hier geblieben bin.
Nach Zeiten von Heimweh, Entfremdung/Unzugehörigkeit oder einfach seltsamen und verwirrenden Situationen werde ich als stärkere, selbstsicherere und wahrnehmende Person zurückkehren, die endlich ein Leben mit einer gerichteteren Bewegung verfolgt.





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